Von Obstlieferanten und beengen Naschecken

Ohne Pollenspender geht nichts
Ersparen Sie sich die Enttäuschung, dass Ihr Obstbaum selbst nach jahrelanger Pflege keine Früchte trägt. Denn längst nicht alle "Obstlieferanten" sind selbstfruchtend, sondern auf einen guten Pollenspender angewiesen. Deshalb: Wenn Sie Obstbäume in den Garten pflanzen, sollten Sie darauf achten, dass auch ein geeigneter Pollenspender-Baum in der Nähe bzw. bei Ihrem Nachbarn steht. Erkundigen Sie sich deshalb schon beim Einkauf von Obstgehölzen über den nötigen Pollenspender-Baum. Ansonsten müssen Sie selbst eine geeignete Befruchtersorte hinzupflanzen.

Befruchtertabelle einiger Apfelsorten

Sorte:
Boskoop
James Grieve


Gravensteiner
Befruchter:
Ontarioapfel
Goldparmäne
Cox, Orange
Jonathan
KIarapfel
Befruchtertabelle einiger Birnensorten
Sorte:
Alexander Lucas


Clapps Liebling
Befruchter:
Köstliche aus Charneux
Frühe aus Trevoux
Bosc's Flaschenbirne
Köstliche aus Charneux

Obstbaumschnitt
Von November bis Anfang März können ältere, zu dicht gewordene Obstbäume ausgelichtet werden. Voraus- setzung ist, dass die Temperatur nicht unter -5°C liegt. Ist es kälter, bricht bei stärkeren Ästen und Zweigen das Holz auf und bietet so Krankheitserregern eine ideale Angriffsfläche. Am besten warten Sie auf einen sonnigen, frostfreien Tag.

Obstbaumschnitt oder:
Die Sache mit dem Hut
Halten Sie sich an den Grundsatz: Lieber etwas zuviel als viel zu wenig! Schneiden Sie zunächst alle kranken, dürren und zu dicht stehenden Zweige heraus. Auch die nach innen wachsenden oder sich kreuzenden Äste dürfen - ohne mit der Wimper zu zucken - entfernt werden. Denn nur in locker aufgebauten Kronen kann das Sonnenlicht auch zu den unteren Knospenpartien gelangen und somit das Wachstum der Triebe, Blätter und Früchte fördern. Es hat wenig Sinn, nur an den schwachen Trieben herumzuschneiden. Gehen Sie also nicht zimperlich ans Werk - Sie müssen auch zur Säge greifen! Eine alte Gärtnerregel sagt: Nach dem Auslichten der Obstbäume muss der Baum so licht sein, dass man einen Hut durch die Krone werfen kann, ohne dass er hängen bleibt! Der Erfolg dieser Arbeit lässt sich sehen: Die Qualität, also Größe und Färbung der Früchte wird verbessert, und der Baum wird widerstandsfähiger gegen Krankheiten.

Verjüngungskur für Baum-Senioren
Alte, vergreiste Bäume, die nur noch kleine Früchte tragen, können während der Winterruhe verjüngt werden. Dabei wird zunächst einmal die gesamte Baumkrone kräftig ausgelichtet. Anschließend schneiden den Sie sowohl den Leitast-, als auch die Seitenäste um ein Drittel und mehr zurück. Dieses Zurücknehmen ins alte Holz sollte aber so erfolgen, dass sich an der Schnittstelle möglichst ein junger Trieb befindet. Nach getaner Arbeit sollte die Baumkrone ein dachförmiges Aussehen haben, d.h. die unteren Äste müssen länger sein als die oberen.

Wundbehandlung
Da Sie beim Auslichten und Verjüngen in erster Linie mit der Baumsäge arbeiten, entstehen größere Wunden. Wichtig ist, dass diese möglichst bald verheilen, damit Krankheitskeime nicht eindringen können. Sollten die Wunden größer als ein 5-DM-Stück sein, müssen sie nach getaner Arbeit mit einem Wundverschluss verstrichen werden. An den Wundrändern beginnt sich dann bald neues Gewebe (Kallus) zu bilden. Die Wunden wachsen zu, bzw. die noch offene Holzfläche ist geschützt.

Scheiden tut weh
Nachdem die meisten Gärten sehr eng bemessen, sind, so dass eine "Pflegestation" für absterbende, überalterte oder schlecht tragende Obstbäume nicht möglich ist, muss man sich - schweren Herzens - vom ehemaligen Obstlieferanten verabschieden. Nachdem dabei auch der Wurzelstock aus dem Boden muss, ist dies eine schweißtreibende Arbeit, die man am besten in den Wintermonaten erledigt. Sägen Sie zuerst die Äste am Stamm ab und versuchen Sie dann mit Pickel und Schaufel den Wurzelstock freizulegen. Sobald die meisten Hauptwurzeln abgehackt sind, wird ein kräftiges Seil - möglichst im oberen Drittel des Stammes - angebracht und daran so kräftig gezogen, bis der Baum fällt.

Wildschaden durch Mümmelmann & Co.
Wenn in Ihrem Garten mit Besuch von Wildtieren gerechnet werden muss, sollten Sie regelmäßig die Einfriedung kontrollieren. Der Drahtzaun muss unten dicht an den Boden anschließen. Gegen Rehe schützt nur ein Zaun von mindestens 1,50 m. Da die meisten Zäune schon aus gestalterischen Gründen niedriger sind, sollten Jungbäume durch sogenannte Drahthosen (Draht- geflecht) oder Kunststoffspiralen geschützt werden.

Lenken Sie Hasenpfoten ab!
Wenn Sie ältere Obstbäume haben, sollten Sie beim Auslichten die Äste am Boden liegen lassen. Ein eingedrungener Hase macht sich dann erst über diese her.

Todesurteil: Mäuse unter der Decke
Im Herbst muss das Mulchmaterial (Grasschnitt, Stroh oder Holzhäcksel) um die Stämme der Obstbäume entfernt werden. Andernfalls können sich Mäuse einnisten und die Rinde rings um den Stamm abnagen. Solche Bäume sind dann meist nicht mehr zu retten. Sie sterben ab.

Verbrennen ist out, häckseln ist in!
Das Schnittgut der Obstbäume darf nicht verbrannt werden, dies schadet nur der Umwelt. Vielmehr lässt es sich mit Hilfe eines Gartenhäckslers problemlos zerkleinern. Kompostieren Sie aber das reine Holzmaterial nicht sofort. Es lässt sich gut in Säcken aufheben und im Lauf des Sommers mit sehr nassen Gartenabfällen wie z.B. Rasenschnitt oder Grünabfällen vermischen. Geeignet ist das Häckselgut allerdings auch zum Mulchen von Baumscheiben.

Wenn Obstbäume zu ächzen beginnen ...
... und sich unter ihrer schweren Last zu biegen beginnen, dann ist es höchste Zeit, einzugreifen. Denn Astbrüche gehören zu den Verletzungen, die große Wunden am Stamm erzeugen und somit Bakterien und anderen Krankheitserregern Tür und Tor öffnen. Doch wo sollte die Unterstützung angesetzt werden? Stellen Sie sich vor den Baum. Sie sehen sofort, dass die schwer beladenen Äste eine Art Bogen bilden. Die Obstbaumstützen – wie zum Beispiel Holzlatten oder auch gekreuzte und zusammengebundene Bohnen- stangen werden nur am letzten Viertel des Astes angebracht. Stellen Sie die Stütze niemals an den höchsten Punkt des Ast-Bogens – Astbruch wäre die unweigerliche Folge.

Nicht vergessen! Naschecken im Garten oder auf Balkonien
Haben Sie bei der Gestaltung des Hausgartens oder Balkons auch Ihre persönliche Naschecke eingeplant? Himbeeren, Brombeeren, rote und schwarze Johannis- beeren wollen Sie im Sommer mit vitaminreichen und herrlich frischen Früchten verwöhnen. Dem Beerenobst ist es ziemlich egal, auf welchem Boden es steht und wächst. Was ihm aber ganz und gar nicht gleichgültig ist, das ist der Standort. Da kennt Beerenobst keine Kompromisse: Es will ein sonniges Plätzchen! 


Beerenstarke Ernte
Sichern Sie sich im Herbst eine ertragreiche Ernte für das kommende Jahr! Der Griff zur Schere ist dabei unvermeidlich:

Rote und weiße Johannisbeer-Sträucher
tragen hauptsächlich am zwei- bis dreijährigen Holz. Alle Äste, die älter als 4 Jahre sind (man erkennt sie am dunklen Holz), werden tief am Boden abgeschnitten. Denn diese bringen nur wenige und kleine Früchte. Jedes Jahr lässt man einige kräftige Jungtriebe nachwachsen, die restlichen Jungtriebe werden ebenfalls weg- geschnitten. Insgesamt sollte der Strauch nicht mehr als 8 bis 12 kräftige Triebe behalten.

Schwarze Johannisbeer-Sträucher
tragen nur am einjährigen Holz. Deshalb ist es wichtig, jedes Jahr den Strauch zu verjüngen. Abgetragene Ruten sollten Sie dicht über dem Boden abschneiden. Lassen Sie einige kräftige Jungtriebe nachwachsen. Insgesamt sollte der Busch nicht mehr als 8 bis 10 Hauptäste haben.


Stachelbeer-Sträucher
erwachsene Sträucher können 8 bis 12 ein- und zwei- jährige Triebe haben. Zur Erzeugung bester Beeren- qualität sollten die Leittriebe rund 1/3 gekürzt werden (nicht zu weit, sonst verdichtet sich der Strauch zu sehr). Wichtig: Durch das Entfernen der Triebspitzen können Sie zugleich den ärgerlichen Mehltau-Infek- tionsherd beseitigen!
Himbeeren
treiben im Sommer ihre jungen Triebe aus. Sie tragen im darauffolgenden Jahr Früchte und sterben dann ab. Die abgetragenen Zweige oder schwach entwickelte Jungtriebe müssen deshalb jedes Jahr nach der Ernte dicht über dem Boden abgeschnitten werden. Jede Pflanze behält 5 bis 7 starke Neutriebe. Bei den zweimal tragenden Himbeersorten sollte erst im Frühjahr zur Schere gegriffen werden.
Brombeeren
neigen dazu, schnell zu verwildern. Lassen Sie aus einem Wurzelstock bis zu 6 Jungtriebe wachsen, die am besten an gespannten Drähten hochgebunden werden. An diesen entwickeln sich die Seitentriebe, die frühzeitig auf 1 bis 2 Augen zurückgeschnitten werden. Nach der Ernte werden die abgetragenen Triebe knapp über dem Boden abgeschnitten somit ist Platz für den Neuaustrieb.

Kameraden, die uns das Leben schwer machen
Unsere Bereitschaft, das Obst mit dem Apfel-, Pflaumen- und Fruchtschalenwickler zu teilen, ist ebenso gering, wie die Gefräßigkeit der Frostspanner-Raupen durch Untätigkeit zu unterstützen. Lesen Sie die Kampfansage bei "Schachmatt den Schädlingen".

Ernten - aber nur zur richtigen Zeit
Machen Sie es sich zur Regel, Obst nur bei trockenem und kühlem Wetter zu ernten. Die Pflückreife, die erst eine Woche nach der Genussreife eintritt, erkennen Sie an der Färbung der Früchte. Die Grundfarbe hellt sich auf z.B. beim Kernobst (Apfel, Birne) und wird gelbgrün, die Deckfarbe wird in leuchtend rot oder leuchtend gelb. Auch der angenehme Fruchtgeruch ist ein Zeichen dafür, dass geerntet werden kann.

Ernten - nicht brechen!
Fassen und heben Sie die Frucht mit der ganzen Hand an. Gleichzeitig drehen Sie sie etwas hin und her oder drücken sie mit einem Finger gegen den Stielansatz am Fruchtholz. Wenn sich der Stiel nicht löst, sondern bricht, hat die Frucht ihre Pflückreife noch nicht erreicht.

Ab ins Körbchen
Legen Sie das von Hand geerntete Obst sorgsam und vorsichtig in Körbe oder Kisten. Denn jede Druckstelle verkürzt die Haltbarkeit ihres Obstes. Vorsichtige Obstgärtner polstern ihre Körbe oder Kisten mit Decken oder Schaumstoff aus, damit die Vitaminspender unbeschadet ins Lager kommen.

Ein gefallenes Früchtchen ...
nicht mit gepflücktem Obst vermengen. Da herunter- gefallene oder geschüttelte Früchte immer eine Druck- stelle haben, entwickelt sich diese innerhalb kürzester Zeit zur Faulstelle. Deshalb sollten gefallene Früchte immer zuerst und möglichst bald verwendet werden.

Ernten wie ein Profi
Wer Äpfel und Birnen nicht mit der Leiter ernten will und mit den Händen nicht erreicht, der kann einen "Obst- pflücker" verwenden. Diese sind meist mit einem in der Länge verstellbaren Stiel und scharfen Doppelmessern ausgestattet. Sie eignen sich für das Abtrennen einzelner Früchte, die in einem großen Leinenbeutel aufgefangen werden.

Rote Früchtchen wollen nicht warten
Unvergessliche Erinnerungen an Kindheit und an warme Sommertage stecken in der kleinen, süß-aromatischen Frucht. Die erste Augusthälfte ist genau die richtige Zeit, um Erdbeeren anzupflanzen. Wer diesen Zeitpunkt nicht verpasst, dessen Ernte fällt im nächsten Jahr reichlich aus. So wurde wissenschaftlich belegt, dass derjenige, der bis Mitte September mit der Pflanzung der Erdbeere wartet, nur noch ein Drittel der Menge erntet, als der, der einen Monat früher die Erdbeere in den Boden brachte.

Erdbeerpflanzung: Das Herz muss rausschauen!
Bei der Pflanzung sollten Sie darauf achten, dass die Erdbeerpflanzen zunächst mit ihrem Topfballen ins Wasser getaucht werden, um ein sicheres Anwachsen zu garantieren. Heben Sie das Pflanzloch so groß aus, dass die Wurzeln sich problemlos nach unten und zur Seite frei ausbreiten können. Die Herzknospe (am Blattstielansatz) muss leicht aus dem Boden heraus- schauen. Der Reihenabstand sollte ca. 70 cm betragen, zwischen den einzelnen Pflanzen einer Reihe lassen Sie einen Abstand von ca. 30 cm.

Stroh macht rote Früchte froh
Nach der Blüte wollen Erdbeeren einen trockenen Fuß haben. Legen Sie deshalb Stroh oder Holzwolle unter die Beere und um die Pflanze herum. Das hält die Erdbeeren trocken, schützt sie vor Fäulnis (insbesondere vor Grauschimmel) und verhindert das starke Austrocknen des Bodens. Außerdem bleiben die Früchtchen sauber und Sie müssen zudem Ihre Ernte nicht mit gefräßigen Schnecken teilen.

Platzverweis für Ableger
Die Erdbeerpflanze bildet üblicherweise viele Ableger. Damit die Pflanze auch im kommenden Jahr ihre ganze Kraft in die Fruchtbildung setzen kann, müssen wir die Ableger regelmäßig entfernen.

K.o. nach der zweiten Runde
Im Sommer bzw. Herbst gepflanzte Erdbeerjungpflanzen tragen im Folgejahr die größten und schönsten Früchte. Im zweiten Erntejahr wird die Pflanze zwar etwas größer, allerdings nimmt die Fruchtgröße bereits ab. In den weiteren Jahren verstärkt sich die Abbau-Tendenz, zudem nimmt die Fäulnisanfälligkeit aufgrund der großen Blattmasse ständig zu. Deshalb: Nach dem zweiten Jahr sollten Erdbeerpflanzen ersetzt werden.

Wasser marsch!
Gerade bei Erdbeeren müssen wir Hobbygärtner beweisen, dass wir ein Händchen für das Gärtnern haben: Die "Roten" brauchen, um die richtige Größe und damit auch ein gutes Aroma zu bekommen, die richtige Dosierung des Wassers. Fehlt es ihnen am feuchten Nass, bleiben sie klein und unansehnlich. Bei zuviel Flüssigkeit wird die Frucht zwar groß, aber schmeckt dafür wässrig.

Heißhunger auf Kompost
Erdbeeren sind ein verfressenes Völkchen, das insbesondere Komposterde liebt. Arbeiten Sie deshalb bereits im zeitigen Frühjahr eine ordentliche Portion des "Gärtner-Goldes" in die Erde ein. Zusätzlich sollte bei der Pflanzung ein organischer Langzeitdünger beigemischt werden. Auch im April, kurz vor der Blüte, darf nochmals gedopt werden.

Erdbeer-Paradies auf Balkonien
Lassen Sie sich die Erdbeeren in den Mund wachsen! Für den Genuss sorgen Hängeerdbeeren und Erdbeer- bäumchen. Hängeerdbeeren gedeihen bei richtiger Pflege und Düngung in Kübeln, Ampeln oder Balkonkästen. Sie brauchen nur einen ausreichend großen Topf (min- destens 3,5l bei 3 Pflanzen). Erdbeerbäumchen zeichnen sich durch eine starke Ausläuferbildung aus, die mit Rankhilfen (Spalier) eine Höhe von 150 cm erreichen. Da die Ausläufer nicht von alleine klettern, müssen Sie sie sorgsam anbinden. Achten Sie darauf, dass die zarten Jungpflänzchen nicht geknickt werden, denn sie sollen ja Blüten und Früchte bilden. Wem das Anbinden am Spalier zu mühsam ist, pflanzt sie einfach in größere Ampeln - die Ranken wachsen dann nach unten.


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