So hören Sie das Gras wachsen

Die Nutzung bestimmt die Grashöhe Während der wachstumsfreudigen Jahreszeit muss Gebrauchsrasen alle 8 bis 10 und Zierrasen zumeist schon nach 10 bis 12 Tagen gemäht werden. Achten Sie dabei auf die richtigen Schnitthöhen. Gebrauchsrasen, auf dem Kinder nach Herzenslust spielen und der oft begangen wird, ist am strapazierfähigsten bei mittleren Schnitthöhen von 4 bis 5 cm. Zierrasen hingegen macht den gepflegtesten Eindruck, wenn die Grashöhe die 3 cm-Marke nicht überschreitet.

Der Sommerlook
Während der heißen Sommermonate sollte die Schnitthöhe um rund 1,5 cm erhöht werden. Mit der etwas längeren Pracht beschatten die Gräser bei stärkerem Sonnenschein selbst den Boden und beugen somit der Wasserverdunstung vor.

Der richtige Rasenmäher
Auf kleinen Flächen bis 100 m2 können Sie ohne weiteres mit einem Handrasenmäher arbeiten. Dieser Spindelmäher schneidet das Gras ähnlich wie eine Schere. Der Nachteil dieses Mähertyps ist, dass sich lange Gräser in der Spindel verwickeln. Aber dafür ist er geräuscharm und ohne Abgase. Dies gilt auch für die wartungsarmen Elektromäher. Diese verfügen wie die Benzinmotormäher (werden zum Teil bereits umwelt- freundlich bleifrei betrieben) über einen Messerbalken. Das scharfe Flügelmesser dreht sich wie ein Propeller und schneidet das Gras - egal in welcher Höhe - wie eine Sense.

Die grüne Pracht oder: Wie hätten Sie es gerne?
Bevor Sie zur Samentüte greifen, um den grünen Teppich hinter oder vor dem Haus auszurollen, sollten Sie sich über die Nutzung des Rasens klar sein: Wird er als Spiel- und Liegeplatz eingesetzt oder dient er auch bei Gartenpartys, Familientagen als Tummelplatz für groß und klein? Oder hat er lediglich Repräsentationspflichten zu erfüllen? Jede dieser Nutzungsarten hat ihre eigene Saatgut-Zusammenstellung.

Die Mischung macht´s
Nicht jeder kann alles - deshalb wurden sogenannte Regel-Saatgutmischungen entwickelt und zusammen- gestellt. Der strapazierfähige Gebrauchsrasen setzt sich aus 40 % Schwingelgräsern, 30 % Rasenweidelgräsern und 30 % Wiesenrispen zusammen. Dieses Team ist trittfest und lässt sich auch nicht durch andere Pflanzen verdrängen. Der Zierrasen hingegen setzt sich aus 85 % Schwingelgräsern und 15 % Straußgrasarten zu- sammen. Wählen Sie für schattige Lagen eine speziell ausgewiesene Schattenrasenmischung. Informieren Sie sich hierbei gründlich über Strapazierfähigkeit und Wachstumsdauer. Regel: Schattenrasen wächst langsam und ist nicht so dicht und strapazierfähig wie der Gebrauchsrasen.

Der Rasenfahrplan
Eine optimale Rasenanlage lässt sich nur mit einem gut geplanten "Terminkalender" erarbeiten: Herbst ist die richtige Zeit für Bodenbearbeitung, -verbesserung und Grobplanierung. Wobei jeder Bodentyp seine individuelle Bearbeitung wünscht. Leichte Böden brauchen, um die Speicherkapazität des Wassers zu erhöhen, etwa 1 bis 2 Ballen Torf auf 100 m2. Schwere Böden, die meist zuviel Wasser speichern, werden durch Einarbeiten von grobem Kiessand (ca. 0,2 mm gekörnt) verbessert. Mai/Juni sind die besten Aussaatzeiten, damit bereits im Herbst der grüne Teppich "ausgerollt" ist. Auch eine Sommeraussaat ist möglich. Doch Sie müssen dann darauf achten, dass der Boden genügend Feuchtigkeit bekommt. Während der ersten drei Wochen nach der Aussaat die Fläche gründlich beregnen.

Vor dem Wasser kommt der Tritt
Um ein gleichmäßiges Grün zu bekommen, sollten Sie die Samen nicht "im freien Wurf" verteilen, sondern mit einem sogenannten Streuwagen (Saatroller) gleichmäßig verteilen. Arbeiten Sie die Saat dann mit dem Rechen flach in den Boden ein und streichen Sie ihn glatt. Den richtigen Bodenschluss nach der Aussaat bekommen Sie nur, wenn Sie zusätzlich walzen oder das Saatgut richtig antreten (Trittbrett). Danach erst wird vorsichtig gewässert.

Der erste Schnitt
4 bis 6 Wochen nach der Aussaat beträgt die Grashöhe rund 8 cm. Jetzt müssen wir die jungen Gräser auf ein Drittel ihrer Länge einkürzen. Nach 10 bis 12 Tagen folgt der zweite Schnitt. Nach jedem Mähen Rasen abwalzen, gründlich wässern.

Schön scharf ...
müssen die Messer unserer Mäher sein. Mit zunehmender Benutzung werden Rasenmähermesser stumpf. Stumpfe Messer aber fransen die Gras- oberfläche an der Schnittstelle aus - die Folge: Ihr Rasen bekommt hässliche, braune Flecken. Ein scharfes Messer lässt ihn dagegen immer sattgrün aussehen.

Nährstofffressende Monokultur
Da auf unseren Rasenflächen ausschließlich Gras wächst, müssen wir uns eingestehen, dass es sich hierbei um eine Art der Monokultur handelt. Gerade Monokulturen sind dafür bekannt, dass sie den Boden im Laufe der Zeit auslaugen. Die Konsequenz für uns heißt: Der Rasen muss - ob man will oder nicht gedüngt werden. Besonders Stickstoff, Phosphor und Kalium werden von den Gräsern benötigt. Um Mangel- erscheinungen, wie z.B. Verfärbungen und verstärktes Auftreten ungeliebter Kräuter zu vermeiden, sollte ein spezieller, auf den Rasen abgestimmter Mineraldünger ausgebracht werden. Diesen Dünger erhalten Sie im Fachhandel. Eine Rasenfläche benötigt im Jahr etwa 20 bis 25 g pro m2

Doping vor dem Regen
Die beste Zeit für die Ausbringung des Düngers ist kurz vor einem Regen, damit sich die Bestandteile auflösen können und in den Boden eindringen. Bleibt die feuchte Himmelsgabe aus, müssen Sie zum Gartenschlauch greifen, damit auf der grünen Pracht keine Ver- brennungen entstehen. Achten Sie darauf, dass der Dünger gleichmäßig ausgebracht wird. Ideal: Der Streuwagen. Gedüngt wird im März, Juni und Oktober.

Die feuchte Rasenpflege
Ohne Wasser geht nichts! Auf diese kurze Formel lässt sich die Rasenpflege bringen. Denn weder beim Düngen noch zum Erreichen der optimalen Bodenfeuchtigkeit kann auf das Nass verzichtet werden. Doch das schlechte Öko-Gewissen packt jeden, der im Sommer den Beregner auf den Rasen stellt und den Wasserhahn aufdreht. Eine Regel für den Wassereinsatz aus dem Hahn gibt es nicht. Beobachten sie vielmehr das Gras. Richten sich die niedergetretenen Halme nicht mehr auf oder lassen sie die Halmspitzen hängen, sollten Sie beregnen.

Wasser marsch!
Damit das Wasser gut in den Boden eindringen kann, sollten wir darauf achten, dass es als kleine Tropfen sanft auf den Rasen fällt. Beregnen Sie ausreichend lange. Es ist besser, Sie wässern den Rasen im Sommer mehrmals richtig intensiv (ein bis zwei Stunden) als ihn täglich ein paar Minuten zu verwöhnen. Die "Wasserausgabe" darf nie in der Mittagshitze oder bei praller Sonneneinwirkung gemacht werden. Die Tropfen wirken sonst auf den Pflanzen wie Brenngläser. Außerdem verdunstet sehr viel Wasser, bevor es den Boden erreicht. Günstige Tageszeiten sind die frühen Morgen- und Abendstunden.

Ungeliebte Rasen-Kräuter
Als ungeliebt werden von uns all jene Kräuter be- zeichnet, die nicht mit der Grassamenmischung ausge- bracht werden. Alle einzeln gesehen sind "Un"-Kräuter an anderen Standorten durchaus schön, aber bitte nicht in unserem "Grünen Teppich"! Außerdem behindern diese Kräuter den Wuchs des Ziergrases, weil sie im allgemeinen robuster sind. Sie machen unserem Rasen den Lebensraum streitig, entziehen dem Boden Feuchtigkeit und Nährstoffe und machen uns schließlich das Leben schwer.

Unerwünschte, wilde Kräuter
Zu den meistvertretenen, unerwünschten Gästen zählen:
Weißklee:
Im Rasen ist Klee ein Zeichen von Nässe und Stick- stoffmangel. Er breitet sich rasch aus und verdrängt die Gräser. Der Rasen wird fleckig.
Löwenzahn:
Mehrjähriges, ungeliebtes Kraut mit einer unglaublich starken Pfahlwurzel. Für seine starke Vermehrung und Verteilung sorgt der bei Kindern beliebte Samenflug. Die tiefwachsenden Wurzeln machen die Bekämpfung zum Kraftakt.
Wegerich:
Mehrjähriges Rosettenunkraut mit faserigem Wurzelstock. Vermehrt sich hauptsächlich durch Samen. Entzieht dem Rasen Nährstoffe.

Chemielos den Feinden Paroli bieten
Auf Unkrautvernichtungsmittel wollen wir im Garten soweit als nur möglich verzichten - auch beim Kampf gegen die Rasenfeinde. Wichtigste Voraussetzung ist, dass Sie mit geeigneten Geräten einigermaßen regelmäßig Löwenzahn, Klee, Gänseblümchen, Wegerich oder Schafgarbe zu Leibe rücken. Für diesen Kampf eignen sich Waffen wie: Kultivator, Vertikutierer, Rechen, Grabgabel oder andere Wurzelausstechgeräte. Beim Löwenzahn müssen Sie die gesamte Wurzel aus dem Boden ausstechen.

Pflegende Kampfeinsätze oder pflegende Kopfhautmassage
Aerifizieren und Vertikutieren (siehe "Gärtner-Chine- sisch") ist die Zauberformel für einen gepflegten und von unliebsamen Gästen freien Rasen. Hinter diesen Arbeiten steckt nichts anderes, als der Grasnarbe und dem Oberboden Luft zum Leben zu geben, kurz: richtig zu belüften.
Aerifizieren
heißt, den Boden senkrecht zu durchstechen, so dass Hohlräume entstehen. Diese Arbeit wird notwendig, wenn durch Spielen an einer bestimmten Stelle oder durch Aufstellen von Tisch, Stühlen und Liegen immer am selben Platz die Grasnarbe verletzt ist. Durch die Verdichtung kann zudem das Wasser nicht mehr in den Boden dringen. Zum Aerifizieren eignet sich die Grabgabel besonders gut. Stechen Sie diese Gabel 10 bis 20 cm tief in den Boden und löchern Sie so die verfestigte Fläche.
Vertikutieren
bedeutet, dass die Rasennarbe senkrecht eingeschnitten wird. Dieser Pflegegang wird immer dann notwendig, wenn der grüne Teppich stark verfilzt und von ungeliebten Kräutern durchzogen ist. Ursache für diese Verfilzung kann häufiger Rasenschnitt sein, bei dem das Mähgut liegen bleibt. Deshalb sollten wir die abgeschnittenen Halme ab und zu mit dem Rechen herauskämmen. Zu saurer Boden und schlechte Nährstoffversorgung tragen ebenfalls zur raschen Verfilzung bei. Zum Vertikutieren eignet sich der Vertikutierrechen. Doch es darf nicht verheimlicht werden, dass dieser Einsatz viel "Muskelschmalz" erfordert. Einfacher, gründlicher und bequemer ist diese Arbeit mit dem Elektrovertikutierer (kann in vielen Gartencentern ausgeliehen werden) zu erledigen. Übrigens: Die beste Zeit zum Aerifizieren und Vertikutieren sind die frühen Herbstmonate oder das zeitige Frühjahr!

Mit kurzer Mähne in den Winter
"Das Haar der Erde" sollte den frostigen Temperaturen und der "weißen Auflage" gut präpariert gegenüberstehen. Schwächliche Gräser werden diesen Stress kaum heil überstehen: Frostschäden und Pilzerkrankungen drohen dem Rasen. Helfen Sie ihm, indem Sie ihn nicht mit einer langen Mähne in den Winter schicken. Die ideale Länge ist 4 cm. Mit diesem Kurzhaarschnitt werden die Wurzeln des "Grün- schopfes" optimal vor Frost geschützt.

Das Laub muss weg
Bevor die weiße Pracht sich wie ein Tuch über den Garten legt, sollten Sie unbedingt zum Rechen greifen und den "Teppich" von Laub befreien. Denn unter der Schneedecke kommt es allzu oft zu Fäulnisbildung und Pilzbefall, die den Rasen nachhaltig zerstören.

Blühende Inseln im Einheitsgrün
Der eine liebt das Einheitsgrün des englischen Rasens, der andere die bunte Vielfalt einer Blumenwiese. Das ökologische Rennen macht zweifelsfrei die Blumenwiese - doch eines ist klar: Das Refugium heimischer Pflanzen und Tiere verträgt keine ballspielenden Kinder und keine Grillpartys! Die Alternative: Blüteninseln! Lassen Sie inmitten des Rasens kleine Blumeninseln wachsen. Alles, was Sie brauchen, ist ein Stück Teichfolie und eine Samenmischung für die Schmetterlingswiese. Schneiden Sie die Folie in Form ihrer Lieblingsinsel und legen Sie diese auf die Rasenfläche. Die Ränder werden mit Steinen beschwert, so dass der Wind die Folie nicht wegtragen kann. Nach wenigen Wochen sind die Gräser unter der Folie abgestorben, so dass Sie problemlos das Saatgut für die Schmetterlingsinseln ausbringen können. Bereits nach wenigen Wochen ist die Landebahn für die bunten Akrobaten der Lüfte fertig.


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