Erziehung von Pflanzenkindern von der Aussaat bis zum Auspflanzen

Pflanzennachwuchs selbst gezogen
Natürlich können Sie Ihre Gemüse- und Blumen- pflänzchen mit Beginn der Freiluft-Saison beim Gärtner kaufen. Aber wer möchte es sich schon aus der Hand nehmen lassen, seine Pflanzen "von der Wiege" auf selbst zu ziehen. Schließlich haben Sie mit der Anzucht die Möglichkeit - unabhängig vom Wetter im Frühjahr oder Herbst, früher oder später zu ernten, als es Natur erlaubt.

Tipps zum Saatgutkauf
Saatgutkauf ist Vertrauenssache. Die vermeintliche Freude über ein günstiges Angebot kann schnell in Enttäuschung umschlagen. Lassen Sie sich nicht von bunten Bildchen verführen. Die Tüte eines Marken- saatgutes muss alle wichtigen Angaben enthalten, um eine sichere Beurteilung zu ermöglichen.
- Achten Sie auf eine klare Sortenbeschreibung: Ernte und Blühzeitpunkt, Form, Farbe, Krankheitsresistenz.
- Des weiteren müssen Informationen wie Aussaat- zeitpunkt, Saattiefe, Reihen- bzw. Pflanzabstand, Erntezeitpunkt und Nährstoffbedarf der Pflanze auf der Saatguttüte stehen.
- Hochwertiges Saatgut, das neben Keimfähigkeit und Reinheit zusätzlich eine besonders starke Triebkraft des Keimlings besitzen sollte, muss zum Schutz vor Licht, Luft und Feuchtigkeit in einer speziellen Keimschutz- packung abgefüllt sein.

Das Kinderzimmer auf der Fensterbank
Die Vorkultur beginnt im Zimmer auf der Fensterbank, denn den Luxus eines Gartentreibhauses haben die wenigsten. Die Temperatur muss mindestens 18°C betragen - auf einer Fensterbank mit Heizkörper darunter kein Problem!

Die Ausrüstung
Zur Grundausstattung gehört ein Fensterbankge- wächshaus (bestehend aus einer wasserdichten Schale aus stabilem Kunststoff, Klarsichthaube und Anzucht- töpfchen), Anzuchterde und Pikier-Set. Sie müssen mit einer Gesamt-Investition von rund 20 Mark rechnen.

Auf Timing und Abstand achten
Wann Sie welche Sorten aussäen können, finden Sie in den "Portraits" von Gemüse und Kräutern. Aber als Faustregel gilt: Ab März gehts los! Das oberste Motto bei der Aussaat heißt: Lieber zu weit, als zu dicht säen. Da leider meist zu dicht gesät wird, müssen wir nach dem Aufkommen der Pflanzen schweren Herzens das Zuviel wieder herausreißen. Denn die Folge von zu dichten, unverdünnten Aussaaten sind magere, dünne und langaufgeschossene Pflanzen.

Und so wird gesät
Füllen Sie in den Anzuchtbehälter die Aussaaterde oder eine Mischung aus Torf und Sand. Keinen Dünger beimischen! Die Erde wird zunächst geglättet und leicht angedrückt. Mit einer feinen Brause (z.B. Wäsche- sprenger) wird die Erde angefeuchtet. Aber bitte nicht nass machen! Damit die Samen einzeln herausfallen, fassen Sie die Saattüte mit Daumen und Mittelfinger an und klopfen mit dem Zeigefinger leicht darauf. Der Samen wird vorsichtig angedrückt und gewässert.

Säen mit Zollstock
Das richtige Fingerspitzengefühl ist beim Aussäen notwendig, da Samen zur Keimung Feuchtigkeit und Energie benötigen. Bei Samen, die zu flach ausgesät wurden, besteht die Gefahr, dass die dünne Boden- abdeckung austrocknet. Werden Samen zu tief in die Erde gedrückt, können sie Keimstengel und Keimblätter nur schwer der Sonne entgegenschicken. Viele verhungern deshalb nicht selten auf halbem Weg aus der Erde. Da man leider dazu neigt, Samen zu tief abzulegen, sollte man für die ersten Aussaaten unbedingt den Zollstock einsetzen, bis man das richtige Finger- spitzengefühl für die Tiefe hat.

Die quellende Pflanzenwiege
Am beliebtesten für die Anzucht sind Torfquelltöpfe, die nur in Form einer Tablette in die Anzuchtgewächshäuser ausgelegt und mit lauwarmem Wasser übergossen werden. Nach kürzester Zeit beginnen sie zu quellen und es entsteht ein Pflanzenballen. Halt gibt ein feinmaschiges Kunststoffnetz. Der Samen muss nur noch in den Ballen gedrückt werden, Abdeckhaube darüber und ab geht´s auf die Fensterbank.

Recycling von Eierkartons
Statt ausgediente Eierkartons einfach wegzuwerfen, sollten Sie sie bei der Anzucht von Pflanzen als wichtige Hilfe nutzen. Sie sind nicht nur billig, sondern haben den Vorteil, dass man den Samen einzeln aussäen kann. Sie ersparen sich so das zeitaufwendige Pikieren. Außerdem müssen Sie beim Auspflanzen des Nachwuchses den leicht verrottbaren Becher nicht entfernen. Wichtig ist, dass Sie bereits vor dem Füllen die einzelnen Becher vom Karton trennen - es erspart Ihnen später größeren Aufwand. Ein Loch im Becherboden verhindert Wasser- stau.

Aussaaterde muss gedämpft werden
Aussaaterde ist für das Gelingen der Anzucht das A&O. Die Erde muss unbedingt frei von Krankheitskeimen und Unkrautsamen sein. Problemlos und ohne größeren Aufwand können Sie "Aussaat-Erde" in jedem Garten- fachgeschäft kaufen. Wer jedoch seine eigene Garten- erde benützen möchte, muss diese durch Dämpfen vorbehandeln. Diese Art der Desinfektion ist notwendig, um die schädlichen Keime in der Erde abzutöten. Sie brauchen dafür kein Sterilisationsgerät, sondern nur einen alten, ausrangierten Kochtopf. Füllen Sie die Erde in den Topf und stellen Sie ihn rund 30 Minuten lang bei 90,C in den Backofen. Nach Abkühlen und Ruhen von 14 Tagen nur noch etwas durchsieben und fertig ist das beste Substrat für die empfindliche Sämerei.

Sehr wichtig: Keimprobe
Alter Samen hat oft nur noch eine geringe Keimkraft. Wer es nicht vorzieht, alljährlich neuen Samen zu kaufen, sollte deshalb Keimproben vornehmen. Zählen Sie von grobkörnigem Samen - wie z.B. Edelwicken - 10 Korn aus. Von kleinen Sämereien bis zu 50 Korn. Geben Sie diese in Schalen, die mit angefeuchtetem Küchenpapier ausgelegt sind. Die Schalen werden dann in die Nähe der Heizung gestellt und mit einer Glasscheibe oder Folie abgedeckt. Nach dem Aufgang lässt sich die Keim- fähigkeit gut beurteilen. Sollte diese etwas nachgelassen haben, dann werden die Samen entweder dichter gesät oder aber wegwerfen.

Lauwarmes Bad macht Lust aufs Keimen!
Hartschalige Samen (Gurke, Kürbis, Erbsen, Bohnen) können Sie mit einem lauwarmen Bad schneller zum Keimen bringen. Wir dürfen aber den Samen maximal 12 Stunden im Wasser liegen lassen, damit er nicht erstickt oder in Gärung übergeht. Übrigens: Gurken lieben das Bad in der Milch!

Die hohe Kunst des Pikierens
Sobald die Pflänzchen gewachsen sind und zwei Blattpaare ausgebildet haben, wird pikiert. Bevor Sie mit einem Löffelstiel oder einem Pikierstab das Jung Pflänzchen vorsichtig aus der Erde heben, sollten Sie unbedingt das Anzuchtbeet noch etwas befeuchten. Achten Sie darauf, dass die Wurzeln ohne Krümmung in das vorbereitete Einzeltöpfchen kommen. Ist die Wurzel zu lang, wird sie zwischen den Fingernägeln abgezwickt. Das Abkneifen hat zudem den Vorteil, dass dadurch die seitlichen Verzweigungen der Wurzeln gestärkt werden.

Das erste Trainingslager
Bevor unsere Jungpflanzen ins Gartenbeet gepflanzt werden, müssen sie einige Tage zuvor abgehärtet werden. Stellen Sie sie an sonnigen Tagen für ein paar Stunden an die frische Luft. Wichtig ist, dass Sie die Pflänzchen abends wieder ins Haus holen. Achten Sie darauf, dass die Sonne und der Wind die Erde nicht austrocknen - regelmäßig befeuchten!

Die Freiheit ruft!
Benützen Sie zum Auspflanzen am besten ein Pflanzholz. Sobald das Pflanzloch fertig ist, wird das Pflänzchen eingesetzt. Auch jetzt dürfen die Wurzeln nicht umgeknickt werden. Wie beim Pikieren dürfen wir zu lange Wurzeln abkneifen - Ausnahme: Kopfsalat! Achten Sie auf den Pflanzabstand! Setzen Sie die Pflänzchen so tief in die Erde, dass die Keimblätter fast bedeckt sind - Ausnahme: Kopfsalat und Kohlrabi! Die Erde wird nun fest angedrückt. Kräftiges Angießen sorgt für optimalen Bodenschluss.

Umzug nur bei schlechtem Wetter
Suchen Sie sich zum Auspflanzen ihrer "Ziehkinder" einen regnerisch-trüben Tag aus und zwar nach den Eisheiligen (15. Mai). Das hat den Vorteil, dass Nachtfröste weitgehendst der Vergangenheit angehören, unsere Jungpflanzen schneller wurzeln und Umstel- lungsschwierigkeiten vermieden werden. Bei warmem Sonnenwetter sollten Sie das Auspflanzen auf den Spätnachmittag verlegen. Dann können sich die Pflanzen während der Nacht und in den taufrischen Morgen- stunden vom Umzugsstress erholen.

Frühbeet - das Kinderzinimer im Freien
Vier Bretter mit darübergelegten, alten Fenstern genügen als Anzuchtfläche zur Vorkultur. Das Fenster bietet Schutz vor kaltem und nassem Wetter. Ab Mai ist der Kasten ohne Fenster ideal zur Anzucht von Blumen- und Staudensämereien. Vor dem Ausbringen der Samen sollte der Boden bearbeitet werden, damit die Erde feinkrümelig ist. Damit es keine Verwechslungen bzw. Überschneidungen gibt, sollten Sie das Saatbeet in Felder einteilen und etikettieren.


Die 5 Frühbeet-Gesetze

  1. Achten Sie auf stets gleichmäßige Feuchtigkeit im Beet!
  2. Benützen Sie ausschließlich lauwarmes Gießwasser!
  3. Sorgen Sie für viel frische Luft, ohne dass die Pflänzchen dem Zug ausgesetzt sind!
  4. Decken Sie jede Nacht das Frühbeet mit Strohmatten oder Brettern ab!
  5. Achten Sie beim Pikieren darauf, dass die Pflanze ihrer Größe entsprechend genügend Platz hat.

Die Aussaat ins Freiland (Direktsaat)
Die robustesten Pflanzen können Sie ab März/April, sobald die Bodentemperaturen über + 5°C liegen und die Erde etwas abgetrocknet ist, ins Freiland aussäen (siehe "Portraits"). Die wichtigste Arbeit bei der Aussaat im Freiland ist die Vorbereitung des Saatbeetes. Zur Aussaat werden flache Rillen gezogen (ca. 2 - 3 cm tief). Legen Sie das Saatgut ein und gießen Sie vorsichtig - mit einer feinen Brause - die noch offene Rille an. Erst dann wird die Erde beigezogen.

Das mobile Anzuchtbeet
Die Schubkarre, die bis in den Mai hinein im Geräte- schuppen herumsteht, eignet sich hervorragend für die Jungpflanzenanzucht. Schließlich ist sie nichts anderes als eine Schale auf einem Rad! Wird diese Kinderstube mit 10 bis 15 cm Anzuchterde gefüllt, hat auf der Fläche von ca. 60 cm x 80 cm jeder Setzling genügend Ellen- bogenfreiheit. Wenn Sie zudem eine Schlitz- oder Lochfolie über die Ränder spannen - mit

Wäscheklammern befestigt - wird die Schubkarre zum beweglichen Folientunnel umgerüstet. Bei schönem Vorfrühlingswetter können Sie zum Abhärten der jungen Pflänzchen mühelos in eine windgeschützte Terrassen- ecke fahren und in kalten Nächten im gut temperierten Heizungskeller parken.

Saatgut fürs nächste Jahr
Trotz perfekter Planung und Vorbereitung bleiben am Ende einer Gartensaison einige Tütchen Saatgut übrig. Diese für das nächste Jahr aufheben bedeutet, sie trocken, kühl und luftdicht verschlossen zu lagern. Man wählt dazu am besten zwei große Einmachgläser mit Gummiring und Deckel. In das eine Glas kommen noch nicht geöffnete Samentüten, in das andere die angebrochenen. Achten Sie bei bereits geöffneten Tüten darauf, dass Art und Sorte verwechslungsfrei zu lesen sind. Um Feuchtigkeit mit Sicherheit auszusperren, empfiehlt es sich, angebrochenes Saatgut einzeln in kleine Folienbeutel einzuschweißen.


Samen unter die Haube bringen
Warme Vorkultur von Gemüse und Zierpflanzen auf der Fensterbank

Es ist soweit: auf der warmen Fensterbank kann mit der Anzucht von Jungpflanzen begonnen werden. Wer Platz hat, nimmt dazu Schalen - am besten gleich mit Abdeck- haube und regulierbarer Lüftung. In solchen Minige- wächshäusern bildet sich ein besonders gutes keim- und wachstumsförderndes Kleinklima. Bei beengten Verhält- nissen kann man auch zu Blumentöpfen greifen und über die Saaten Gläser stülpen. Das geht genauso gut, wenn nach der Samenkeimung öfter von Hand gelüftet wird.

Kohlarten, Kohlrabi, Salate, die besonders wärme- liebende Tomate und auch Paprika, Aubergine und Zucchini sind immer dabei, wenn die Jungpflanzen-Kinderstuben bei Zimmertemperatur eingerichtet werden. Stammgäste in der Abteilung Zierpflanzen sind Tagetes, Ageratum und Calendula, die Schwarzäugige Susanne und Zinnien.

Alle lassen sich einfach und gut vorkultivieren. Dies gilt im Prinzip auch für Fleißige Lieschen, Petunien und samengezogene Knollenbegonien - allerdings dürfen diese Samen nicht oder nur hauchdünn mit Erde bedeckt werden.

Da kommt Freude auf: die Jungpflanzen- anzucht beginnt. Tomaten und Kohlrabi, Salate und viele Zierpflanzen werden jetzt in Schalen vorkultiviert.

Die Erde spielt bei der Jungpflanzenanzucht überhaupt eine wichtige Rolle. Sie muss gleichzeitig zwei Anforderungen erfüllen: den Samen gute Keimbedin- gungen bieten und das Wachstum der jungen Pflänzchen fördern. Nur eine bedarfsgerechte Zusammensetzung der Erde bringt beides auf einen erfolgreichen Nenner.


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