Lebende Grüße aus der Urzeit der Dinosaurier
Ein time out von mehreren Millionen Jahre ist beendet

10. September 1994 …

der passionierte Bushwalker David Noble schafft es, sich in eine 200 Meter tiefe unerforschte Schlucht des australischen Wollemia-Nationalparks abzuseilen. Eine Stelle, die vermutlich vorher noch kein Mensch betreten hatte. Der Nationalpark liegt im Südosten des Kontinents und ist mit 500.000 Hektar etwa doppelt so groß wie das Saarland.

Die Schlucht, die David Noble nun durchstreifen konnte, hatte die Mystik jener wundersamen Orte von denen Wissenschaftler zeitlebens träumen. Der Charakter glich dem urzeitlichen Superkontinent Godwana, jener zusammenhängenden Landmasse, aus der sich das heutige Afrika, Australien, Indien, Südamerika und die Antarktis entwickelten. Man weiß, dass Godwana lange Zeit mit riesigen Koniferenwälder bedeckt und von Dinosauriern bewohnt war, deren Pflanzen fressende Spezies gerne die Baumblätter fraßen.

In einer Ecke des Tales entdeckte David Noble einen ihm unbekannten Baum. Die Zweige erinnerten ihn an den Schwanz eines Stegosauriers und die blasige Rinde sah aus wie blubbernde, geschmolzene Schokolade. Er packte einige Blätter ein, um diese später Kollegen im Königlich Botanischen Garten von Sydney zu zeigen. Diese tippten zuerst auf  eine bisher unbekannte Farnart, was aber nicht sein konnte, da sie zu einem hohen Baum gehörten. Man stellte ein erfahrenes Team zusammen, welches in den Exkursionen herausfand, dass es sich um eine völlig neue Art der Familie Araucariaceae handelt, die sich jedoch von allen bekannten Variationen der Familie so stark unterschied, dass ihr eine völlig neue Gattung gewidmet wurde. In Erinnerung an den Fundort Wollemia Nationalpark und den Entdecker David Noble lautet der wissenschaftliche Name Wollemia nobilis.

Eine wissenschaftliche Sensation. „Die Entdeckung ist vergleichbar, als hätte man einen kleinen Dinosaurier gefunden, der noch heute auf dieser Erde lebt.” (Carrick Chambers, director of the Royal Botanic Gardens, December 1994.)

Nun konnte man endlich Fossilienfunde zuordnen und feststellen, dass Wollemia nobilis mindest 90 Millionen Jahre alt ist und als seit ca. 2 Millionen Jahren ausgestorben galt.  Doch in der einsamen Schlucht konnte man damals tatsächlich etwa 40 Bäume ausfindig

machen, die ihre Gattung über Jahrmillionen überleben ließen. Trotz mehrjähriger intensiver Suche konnte man außerhalb jener Schlucht keine weitere Population finden. Man setzte alles daran, diese intensiv zu schützen und bis heute ist der Standort nur wenigen Eingeweihten bekannt.

Als Maßnahme zur Arterhaltung wurden Samen gesammelt und an einer besser zugänglichen Stelle angepflanzt. So wurde es ermöglicht, neue Pflanzen zu ziehen und den Urzeitbaum auch in renommierten Botanischen Gärten wie Frankfurt und Zürich den staunenden Besuchern zu präsentieren.

In der Beobachtung zeigte sich, dass die Wollemia nobilis eine wahrhafte Überlebenskünstlerin ist. Sie hat Buschbränden und etlichen Eiszeiten getrotzt, die Dinosaurier und zahlreiche andere Pflanzenarten überlebt. Auch im 21. Jahrhundert kommt sie mit Hitze, Kälte, Sonne, Schatten und unterschiedlichen Bodentypen gut zurecht. Dabei ist sie gleichermaßen vielseitig wie einfach zu pflegen.

Und so geht die Entwicklung nun einen Schritt weiter, es gilt der Welt ein Stück Urzeit zurückzugeben.

Dazu können ALLE beitragen.

Ab dem Frühjahr 2007 werden Wollemia nobilis Pflanzen auch in deutschen Gärten, auf Terrassen, in Wohnungen und Büros die Menschen erfreuen können. 

Die ersten frei verfügbaren, bis zu 2,5 Meter hohen Wollemia nobilis wurden im Oktober 2005 durch Sotheby’s in Sydney versteigert. Lagen die Gebote damals noch bei mehreren Tausend Euro für eine Wollemi Pine, wird diese ab jetzt zu sehr viel erschwinglicheren Peisen in den Gartencentern und dem Fachhandel zu kaufen sein.

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