Villa Gamberaia – der toskanische Villen Garten!
Am Rande des kleinen Ortes Settignano, wenige Kilometer östlich von Florenz, liegt zwischen Olivenhainen und Gemüsegärten - die Villa Gambereia. Ihre Gartenanlage verkörpert den italienischen Garten schlechthin.
Die Villa wurde 1610 und der Garten 1716 in seiner heutigen Form fertiggestellt und ist bis heute in Privatbesitz. Der 3 Hektar große Grundbesitz mit seinen in verschiedene Etagen angelegten Gärten lässt sich am besten mit einer Karte erfassen.
Damals wie heute führt ein von hohen Zypressenhecken gesäumter Kiesweg zur Villa . Die zwei steinerne Löwen wachen über den Vorplatz zwischen den Remise, der Hauskapelle – und der - mit einer Brücke verbundenen - schmalen Seite der Villa .
Auf der rechten Seite des Kiesweges öffnet sich die Rasenterrasse.
Wie auf dem Plan zu erkennen, so ist die Westfront der Villa Gamberaia die Hauptfassade mit dem mächtigen Eingangsportal und der herrlichen Rasenterrasse, die sich wie ein grüner Gürtel an die Villa anschmiegt. Hier – auf der Rasenterrasse , die von einer mit rosenberankten Brüstungsmauern eingefasst ist auf der die Jagdhunde seit 300 Jahren wachen – von hier aus verneigt sich die Stadt Florenz vor dem Besucher. Ein Blick auf die Stadt den man nicht mehr vergisst.
Diese Rasenterrasse der Hauptfassade führt uns direkt in das sogenannte Parterre der Gartenanlage – in den berühmten „Italienischen Garten“ des 18. Jahrhundert – der stets durch das ideenreichen Licht- und Schattenspiels geprägt war. Hier bei der Villa Gamberaia wendete der Gärtnerkünstler einen besonderen Trick an:
Er ersetzte die von buchsumgebenen Blumenbeet durch Wasserbecken! Die makellose Frische der sorgfältig in plastischen Formen beschnittenen Buchsbaumhecken, die feinen Kieselsteinmosaiken der Gehwege, die spiegelnden Wasserbecken, die Rosen und die Zitronenbäumchen zaubern eine Stimmung der höchsten Festlichkeit und Eleganz.
Die Rosen sorgen zwischen den formalbeschnitten Buchshecken für Farbtupfer.

Der Blick zur Südostseite der Villa mit ihrer kleinen Loggia ist für jeden Betrachter faszinierend. Erst bei einem Rundgang zwischen den kubisch – und kugelförmig gestutzten Sträucher entfaltet der Parterregarten seine wirklichen Reize – den die Sträucher schließen sich immer wieder zu neuen Räumen zusammen.
Die Begrenzung des Gartens bildet eine Zypressenhecke in der Form einer Exe-dra also eines nischenartigen Raumes, der gleichzeitig als Wandelgang dient. Das Besondere an diesem Zypressen-Wandelgang sind die wie aus dem Nichts erscheinen Rosen, die plötzlich auf drei bis vier Meter Höhe aus der Hecke wachsen .
Rosen – nämlich seerosen – hat auch der halbrunde kleine Teich in der Mitte Seerosenteich zu bieten.

Diese Schönheit dieses Parterres darf uns nicht ablenken, die weiteren gartenräume der Villa zu erkunden.
Verlassen wir das Parterre entlang der großartigen Zitronenbäumchen so kommen wir in einen zunächst als schlicht zu bezeichneten Gartenraum – dem Prato. Dieser Prato wird durch die Hausfassade, auf der anderen Seite durch eine gewaltige Stützmauer begrenzt .Dieser korridorartig angelegte Rasenstreifen hat eine Breite von 10 Metern , eine Länge von rund 300 Metern und erstreckt sich somit über die gesamte Grundstückslänge. Auf dieser Rasenbahn wurde früher Boccia gespiel .
Im Süden – also talseitig - endet die grüne Bahn an einer Balustrade von der aus wir mit einem traumhaften Blick ins wunderschöne Arno-Tal belohnt werden .
Wenn wir uns auf dem Prato von Süd nach Nord spazieren kommen wir nach genau einem Drittel der Gesamtlänge auf eine Querachse – nämlich auf der Höhe des Hausmitte – mit seiner großen Pforte die zum Garten führt – genauer gesagt – so gelangt man von der Villa direkt ins sogenannte Cabineto – ein mit seinen bemoosten Wänden, unzähligen Skulpturen und Wasserspielen wunderbar kühlen Grottengarten.
Der amorphe Stein der gemauerten Nischen, die weichen glatten Formen der Skulpturen, das schon gezeichnete Blattwerk der Hortensien und deren im Juli blaßrosafarbenen Blüten verbinden sich zu einem harmonischen Bild.
Hier ist nun der Garten in verschiedenen Etagen angelegt. Magisch werden die Augen von den vier Freitreppen angezogen. Sie geleiten den Besucher nach oben in die anderen Gartenbereiche hinein.
Die eine führt uns zu ein Steineichenhain dem sogenannten Bosco - mit einem hundertjährigen Baumbestand. Im Schatten dieses Haines und den kleinen Steinbänken lässt sich die gnadenlose Hitze des Toskanischen Sommers problemlos ertragen, da wir zudem auch hier einen Blick in die wunderschöne Toskana bekommen.
Verlassen wir die Kühle des Grottengartens und steigen die linke Freitreppe hinauf, dann erfasst uns ein unbeschreiblicher Düftecocktail: Die Duftmischung von Zitronenblüten, Pfingstrosenbäumchen und Rosenspalieren mit der Sorte "Albértine".
Wir gelangen auf der zweiten Etagen zu einen schlichten aber ländlich charmanten Zitronengarten.
Die uralten Zitronen- und Orangenbäumchen wetteifern gegenseitig um die schönsten Früchte. Dieser luftig gelegene Garten besitzt zwar nicht die Eleganz des Parterres, doch er gefällt durch seinen ländlichen Charme .
Der bereits erwähnte ländliche Charme wird durch die schlicht gehaltene Orangerie mit ihren weit geöffnten Fenstern und dem große Tor unterstrichen. Ein Blick in die Orangerie zeigt uns zunächst den Kaminraum – heute als Heizungsraumbezeichnet. Dessen Decke ist deutlich tiefer setzt als in der eigentlichen Orangerie, somit steigt die Wärme im Citrus-Winterquartier nach oben steigen kann. Damit auch die kleinsten Bäumchen noch Licht bekommen, haben sie im Hinterenteil des Raumes eine eigens gebaute Empore.
In den Frühbeeten werden Sommerblumen vorgezogen, in Hunderten von Blumentöpfen sind Stecklinge gesetzt.
Zurück auf dem Prato, so fehlt uns bei der Gartenreise Villa Gambereia nur noch die Brunnengrotte . Eingesäumt von riesigen Zedern, wird dieses schattige Raum durch wahre farbtupfe raugefrischt. In großen Terracottagefäßen zeigen Azaleen ihr Können und demonstrieren meisterlich Ihr Blühvermögen selbst im Schatten.
Der Abschluss im Norden des Prato bildet das Nymphaeum mit einem Steinbrunnen, mit Mosaiken verzierten Wänden, Nischen und Terrakottafiguren. Das Nymphäum ist das Heiligtum der Nymphen – sogenannter Naturgeiter. Sie schweifen frei umher, führen Tänze auf oder jagen Wild.
Dass der Garten der Villa Gambereia zu den schönsten Gärten Europas zählt verwundert nicht, denn es ist diese Privatheit und diese unbeschreibliche Art von Intimität den diesen Traumgarten auszeichnet. Erst nach diesem Rundgang vermag man die Gesamtanlage des garten zu erfassen. Wenn man sich dann den ersten Eindruck der Villa ins Gedächnis ruft, erkennen wir, welch wichtige Funktion für dieser Gartenanlage die Stützmauern spielen. Sie trennen und gestalten nicht nur die Räume, sondern ermöglichen es erst, dass sich der Garten wie eine gigantische Terrasse weit in die Landschaft hinausschiebt kann.
zurück
Startseite
|