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Die Zypresse des Nordens

Sonnenanbeter und Verwandlungskünstler, so zeigt sich der Wacholder
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Baum oder Strauch – das ist hier die Frage! Der Wacholder kann
alles – mal Baum, mal Strauch – er kann säulenförmigen, auseinanderstrebenden oder flachen Wuchs annehmen und in Extremsituationen gar zum niederliegenden Gehölz werden.

Kriechwacholder
Aufrechte, säulenförmige Wuchsformen haben ihm auch den Namen 'Zypresse des Nordens' eingebracht. Baumförmige Exemplare haben einen astfreien unteren Stammabschnitt und kommen fast nur in Wäldern vor.
Obwohl ein Nadelgehölz, entwickelt er keine verholzten Zapfen, sondern nennen wir sie ruhig noch ein letztes Mal 'Beeren', bevor dazu auf den folgenden Seiten einiges botanisch richtig gestellt werden muss. Wacholderbeeren sind bekannt als Gewürz in der Küche.
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Jahreszeiten? Gibt's beim Wacholder nicht. Oder sie sind nur mit der Lupe erkennbar, wenn er blüht. Um so mehr aber verändert sich die Landschaft um den Wacholder herum im Lauf des Jahres.
Obwohl er so weit und vom Flachland bis ins Hochgebirge verbreitet ist, hat er unter natürlichen Verhältnissen aufgrund seines sehr hohen Lichtbedarfes nur im Offenland Aussicht, länger zu überleben. Dies ist vor allem auf ärmeren Standorten des Tieflandes in beweideten Heidegebieten der Fall, wo er landschaftsprägendes Element wird und andere Gehölze vor Verbiss schützt. So wird er auch als Zierde der Heiden bezeichnet.
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Der Name Juniperus ist schon bei den Römern in Gebrauch gewesen und ist abgeleitet vom lateinischen juvenis = Jüngling /Mädchen und parere = gebären; das ist auf die abtreibende Wirkung der Beerenzapfen zurückzuführen. Der Name Wacholder ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt und tritt seit dem 15. Jahrhundert auf. Er ist aus der Althochdeutschen Silbe 'wachal' abgeleitet, die so viel wie wach, munter, frisch, hier 'immergrün' bedeutet. Im deutschen Sprachraum gibt es viele verschiedene Bezeichnungen und mundartliche Formen für den Wacholder, es wurden über 150 Namen gezählt!
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Neben Hasel und Holunder hatte der Wacholder im Volksglauben die größte Bedeutung: "vor dem Holunder zieh’ den Hut, vor dem Wacholder geh’ in die Knie".
Sein Grün wird für Kränze verwendet, schlanke junge Schosse wegen ihrer Zähigkeit für Peitschen und sogar zur Korbflechterei. Das Wurzelholz ist aufgrund der interessanten Maserung gut zur Herstellung von Pfeifenköpfen geeignet. Fragen Sie doch mal beim Pfeifenhändler nach.
Am bekanntesten ist wohl die Verwendung der Beerenzapfen: als Gewürz beim Kochen und zur Branntweinherstellung, zum Räuchern und für verschiedene Heilmittel. Als Gewürz für Wildspeisen, Sauerkraut, Gurken und Rote Rüben sind sie ein Muss. In den Beerenzapfen finden sich neben Ölen in den Zapfenschuppen bis zu 30% Zucker. Deshalb werden sie vergoren und destilliert, wobei das Öl in das Produkt mit eingeht und dann Gin, Genever, Borovicska oder Steinhäger genannt wird. Aber Vorsicht, diese Wacholderschnäpse können je nach genossener Menge schnell vom Genuss- zum Arznei- und Betäubungsmittel werden...
Im Mittelalter gehörte der Wacholder zu den wichtigsten Pflanzen in der Heilkunde! Die Ernte der Beerenzapfen ist allerdings sehr mühsam und unangenehm wegen der stechenden Nadeln. Man muss schon ein paar Tricks anwenden (vom Autor erhältlich), um zu einer brauchbaren Menge zu kommen. Innerlich angewendet wirken sie magenstärkend, blutreinigend und harntreibend, äußerlich bewirken sie eine verstärkte Durchblutung. Sie schmecken zunächst süßlich, hinterlassen aber einen bitterherben Nachgeschmack. In der Homöopathie finden sie als Ableitungsmittel für die Nieren, zur Behandlung von Hautkrankheiten, Gicht und Rheuma Verwendung
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Der Wacholder wächst sehr langsam, da er sich mit all seinen Seitenzweigen zu sehr verausgabt. Baumförmige Exemplare erreichen in 10 Jahren meist nur eine Höhe von 1 m. Mit 500-2000 Jahren kann er aber sehr alt werden und wird dabei in Europa nur noch von der Eibe übertroffen.
Er erträgt tiefe Winterkälte und hat sehr geringe Ansprüche an den Boden. Eigentlich kann er überall wachsen. So verträgt er sowohl lehmige als auch sandige Böden, die trocken oder wechselfeucht sind, und selbst auf nassen Hochmoorstandorten kommt er vor. Üppig wird er allerdings nur auf mäßig saurem Boden, der sandig und relativ trocken ist. Na, wissen Sie noch welches Geschlecht hier häufiger ist? Auf armen, trockenen Böden tritt er oft in schlanken, zypressenartigen Wuchsformen in Erscheinung, vor allem in Skandinavien.
Was das Entscheidende ist: er braucht wegen seines hohen Lichtbedarfes eine vollsonnige, exponierte Lage. Und kaum eine Baumart ist so trockenheitsresistent wie der Wacholder.
Er ist rund um die Nordhalbkugel verbreitet. Sein Verbreitungsgebiet reicht in Europa im Norden von der Küste des Eismeeres bis in den Süden nach Zentralspanien, Sizilien, dem Peloponnes und zu den nordafrikanischen Gebirgen. Außerdem kommt der Wacholder in Südgrönland und in Nordamerika vor.
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